Kollekte für das Projekt "Haus Senfkorn" der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache auf Sizilien

Projektbeschreibung della Casa di Granello di Senape/ Haus “Senfkorn”:

Seit ca. anderthalb Jahren bieten wir in Catania in unserem Gemeindezentrum regelmäßige zweiwöchentliche Essen und Einkleidungen für eine Gruppe von ca. 20-30 westafrikanischen Flüchtlingen, vornehmlich aus den Ländern Mali, Elfenbeinküste, Guinea, Senegal, Gambia, Guinea-Bissau, Sierra Leone und Burkina-Faso an, es sind alles 16-25jährige junge Männer, die übers Mittelmeer mit Schlauchbooten hier auf Sizilien angestrandet sind oder von der italienischen Marine auf offenem Meer gerettet wurden.

In einem ersten vom Konsistorium einberufenen Gespräch im Dekanat in Rom am 15. Januar 2016 wurde der Frage nachgegangen, inwiefern auch die ELKI als kleine Kirche dem Problem der Flüchtlingsströme nach Italien, und hier vornehmlich auf Lampedusa und Sizilien, durch nachhaltige diakonische Arbeit begegnen kann.

Sowohl der Kirchenvorstand der ev.-luth. Gemeinde auf Sizilien als auch die Pfarrkonferenz der ELKI vom 7.-11. März auf Sizilien zur Thematik “Flucht und Migration” als auch die Synode in Nahls bei Bozen vom 22.-25.April konnten der Idee einer Eröffnung eines eigenen Flüchtlingshauses zustimmen, so dass die ev.-luth. Gemeinde auf Sizilien direkt gegenüber ihrem Gemeindezentrum eine große Wohnung anmietete und sie mit viel Geld umbaute, dass nun ab 1.11.2016 acht bis zehn volljährigen Flüchtlingen eine permanente Bleibeperspektive ermöglicht werden kann, weil nach Erhalt der permesso soggiorno die nun anerkannten Flüchtlinge aus ihren Case delle prime accoglienze heraus müssen und entweder obdachlos werden oder nach Nordeuropa weiterziehen, hier im besonderen nach Deutschland oder Skandinavien.

Bewusst zielt das Konzept auf ein Verbleiben durch Aufbau einer eigenen beruflichen Perspektive oder durch den Beginn eines Studiums an der Universität Catania. Mittlerweile ist zwischen Gemeinde und Flüchtlingen so viel Vertrauen gewachsen, dass allein schon durch Mentalität und Klima viele westafrikanische Flüchtlinge eher einen Verbleib auf Sizilien erwägen, als nach Nordeuropa weiterziehen zu wollen.

Das Konzept der langfristigen Bleibeoption scheint sich durchzusetzen, da nun auch die baptistische Schwestergemeinde in unmittelbarer Nähe eine in Eigentum sich befindende Wohnung ebenfalls zu einem langfristigen Flüchtlingsdomizil umwandelt.

Am 17. Oktober 2016 wurde das Haus feierlich eröffnet mit allen Beteiligten, u.a. auch der Sprachenschule für MigrantInnen, um dann den Bezug ab 1.11. zu gewährleisten für die, die sich sehr gut vorstellen können, Sizilien als neue Heimat anzuerkennen. Dabei zeichnet sich jetzt schon ein Konsens heraus, dass eher die Darlegung eigener Berufs-Perspektiven einschließlich adäquater Anwendung der italienischen Sprache das entscheidende Aufnahmekriterium sein wird, als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft.

Seit dem 7.9. ist für ein Jahr eine junge Freiwillige aus Berlin eingetroffen, die hauptsächlich für das Flüchtlingsprojekt eingesetzt werden soll, ab Mitte Juni wurde das in der Tat sich in einem verheerenden Zustand befindliche Objekt umgebaut und renoviert, und auch durch die geschickte Auswahl einer “Ditta” (einer Baufirma) bei vier eingegangenen Bewerbungen durch das Baukomitee konnte fristgerecht Ende August übergeben werden und schon jetzt kann man sagen, dass es ein helles, freundliches, ausgesprochen menschenwürdiges Haus geworden ist, dessen Mischkonzeption u.E. überzeugt. Zum Einen die Räume für die Bewohner, alle mit Schreibtisch und eigenem Kleiderschrank, zum anderen eine neue eingerichtete Küche, die allen Anforderungen gerecht wird, darüberhinaus ein Gemeinschaftsraum für maximal 12-16 Personen.

Unmittelbar daran schließt sich ein Sportello d’ascolto an, ein eigenes kleines Büro, wo im Laufe der Woche Ärzte, Psychologen und Rechtsanwälte sitzen, die nicht nur die Hausbewohner, sondern alle Flüchtlinge in Catania, sofern sie wollen, beraten. Momentan steht ein “Pool” von drei Ärzten zur Verfügung, die durch ihre Haupttätigkeit an städtischen Krankenhäusern unbürokratisch und schnell über Medikamente verfügen können, so wie es neulich der Fall war, als ein Flüchtling aus Guinea-Bissau an einem Hautekzem erkrankt war. Damit wird die Eingangshalle ein öffentlicher Warteraum, so auch eingerichtet, um zum Beratungsbüro Zugang zu erhalten.

Gleichzeitig finden im Gemeindezentrum gegenüber die regelmäßigen Essen und Einkleidungen weiterhin statt einschließlich eines Deutschkurses, für die, die jetzt schon wissen, dass sie nach Deutschland weiter wollen.

Für eine kleine Gemeinde wie die unsrige mit maximal 200 Gemeindegliedern auf ganz Sizilien in sechs Gemeindegruppen verteilt, ist dies eine sehr große Herausforderung und man darf auch stolz davon berichten, dass der Kirchenvorstand eine stattliche Summe ihres jährlichen Haushaltsbudgets nun permanent für das Flüchtlingsprojekt einsetzt.

Trotzdem sind die Kosten, bei aller in Rechnung getragenen Fürsorge und Verantwortung für die Gemeinde hoch, zwar konnte durch geschickte Verhandlungsführung ein 4+4 Jahre Mietvertrag abgeschlossen werden, der eine Kaltmiete auf 8 Jahre von 550,-€ pro Monat bei 160 qm vorsieht, dennoch wird man zu Beginn an nicht umhin können, einen Koch oder Köchin einzustellen, um die Versorgung zu gewährleisten.

Und vieles weitere mehr….

Insofern würde sich die ev.-luth. Gemeinde auf Sizilien sehr freuen und zielgerichtet für das Flüchtlingsprojekt einsetzen, (es mangelt noch an so vielem!), wenn die ev. Gemeinde zu Oslo unser anspruchsvolles, aber nachhaltig diakonisches Projekt in irgendeiner Form mit unterstützen würde.

Vor diesem Hintergrund,

in geschwisterlicher Verbundenheit,

mit sehr herzlichen Grüßen,

Andreas Latz

P.S.: Unten stehender Link berichtet auf der EKD-Seite von unserem Projekt

http://www.ekd.de/aktuell/edi_2016_08_15_auslandspfarrer.html.

Pastore Andreas Latz
Comunità Evangelica Luterana di Sicilia

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Veröffentlicht am 10.04.2017